Echte Nelkenwurz – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) ist eine unscheinbare, aber historisch und kulinarisch überaus spannende Vertreterin der Rosengewächse (Rosaceae). Als heimische, ausdauernde Schatten- und Waldrandpflanze besiedelt sie weite Teile Europas. Bekannt ist sie vor allem für ihr stark aromatisches Überdauerungsorgan (Rhizom), das intensiv nach Gewürznelken duftet und ihr seit der Antike einen festen Platz in der Volksheilkunde und der regionalen Wildkräuterküche sichert.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Echte Nelkenwurz“
- Botanischer Name: Geum urbanum
- Deutscher Name: Echte Nelkenwurz
- Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
- Gattung: Nelkenwurzen (Geum)
- Andere Namen: Stadt-Nelkenwurz, Gemeine Nelkenwurz, Gewöhnliche Nelkenwurz
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautig, rosettenbildend, sparrig verzweigt
- Wuchshöhe: 30 bis 120 cm
- Wurzelwerk: Kräftiges, kriechendes Rhizom (Wurzelstock)
- Blütezeit: Mai bis Oktober
- Blütenstand: Lockere, sparrig verzweigte Zyme
- Fruchtreife: Ab Juli
- Boden/Standort: Nährstoffreich, halbschattig bis schattig; Laub- und Auenwälder, Gebüschsäume, Waldwege, urbane Ruderalfluren
- Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe (Gallotannine), ätherisches Öl (besonders Eugenol)
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig in allen Pflanzenteilen.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Echte Nelkenwurz ist eine eher zierliche, krautige Pflanze, die im ersten Jahr eine bodenständige Blattrosette ausbildet und später sparrig verzweigte Stängel mit kleinen, gelben Blüten und markanten Klettenfrüchten hervorbringt.
Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel, Blätter)
- Stängel: Aufrecht, oft braunrot überlaufen, fein kantig, mehr oder weniger dicht behaart und sehr locker verzweigt.
- Rhizom (Wurzelstock): Kriechend und fleischig. Es duftet beim Brechen oder Anschneiden stark nach Gewürznelken.
- Grundblätter: In einer Rosette angeordnet, lang gestielt und unregelmäßig unpaarig gefiedert. Die Endfieder ist deutlich vergrößert (6 bis 10 cm lang) und meist 3- bis 5-lappig.
- Stängelblätter: Wechselständig, meist dreizählig geteilt, nach oben hin kleiner werdend. Auffällig sind die großen, laubblattartigen Nebenblätter an der Basis des Blattstiels, deren Rand kerbzähnig ist.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Radiärsymmetrisch, fünfzählig. Die fünf leuchtend gelben Kronblätter sind sehr zierlich und nur etwa 3 bis 6 Millimeter lang. Sie fallen meist schnell ab. Auffällig sind die spitz dreieckigen Kelchblätter, die zur Fruchtzeit charakteristisch nach unten zurückgeschlagen sind.
- Frucht: Ein rundliches, igel- bzw. klettenartiges Köpfchen aus zahlreichen kleinen behaarten Nüsschen. Jedes Nüsschen trägt einen hakenförmig gekrümmten, rotbraunen Griffelrest.
Verwechslungsgefahren:
- Bach-Nelkenwurz (Geum rivale): Besiedelt deutlich feuchtere Standorte. Sie unterscheidet sich gut durch ihre glockenförmig nickenden, meist altrosa bis kupferfarbenen Blüten.
- Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris): Hat ebenfalls kleine gelbe Blüten, aber gänzlich andere, handförmig tief eingeschnittene Blätter. Hahnenfuß-Arten sind giftig und besitzen keinen nelkenduftenden Wurzelstock.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Gei urbani radix (Nelkenwurzel)
- Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (v. a. Gallotannine), ätherisches Öl (Eugenol, Myrtanal), Vicianose
- Monographie-Status: Negativmonographie (Kommission E) / Keine aktuelle HMPC-Monographie
In der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie hat die Echte Nelkenwurz heute keine anerkannte Bedeutung mehr, da groß angelegte klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen.
In der traditionellen Volksheilkunde wird das eugenolhaltige Rhizom jedoch noch immer sehr geschätzt. Wegen des hohen Gerbstoffgehalts (adstringierende Wirkung) und der leicht antiseptischen, entzündungshemmenden Eigenschaften des Eugenols wird ein Wurzel-Aufguss oder eine Tinktur historisch bei leichten Durchfallerkrankungen und Verdauungsbeschwerden genutzt. Äußerlich wird der Aufguss als Gurgelmittel bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, sowie für Waschungen bei leichten Hauterkrankungen, Hämorrhoiden oder Frostbeulen verwendet.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Echte Nelkenwurz besticht durch eine spannende Kombination: Die grünen Pflanzenteile sind herbe und feinwürzige Salatzutaten, während das Rhizom ein erstklassiger, regionaler Ersatz für exotische Gewürznelken (Syzygium aromaticum) ist.
- Rhizom (Wurzelstock) & Erntezeit (September bis Winter): Geerntet, schonend getrocknet und fein gerieben, verströmt das Rhizom durch das enthaltene Eugenol ein herb-süßliches Gewürznelkenaroma. Es kann wunderbar zum Aromatisieren von Apfelkompott, Lebkuchen, Glühwein oder deftigen Fleisch- und Gemüsesuppen verwendet werden.
- Blätter (März bis April): Zarte, junge Rosettenblätter des Frühlings eignen sich sehr gut als herbe Zutat in Frühlingssalaten, Kräuterquark oder selbstgemachtem Pesto. Ältere Blätter können wie Wildspinat gedünstet werden, werden jedoch mit der Zeit zunehmend zäh.
- Blüten (Mai bis Herbst): Die kleinen gelben Blüten sind mild, ungiftig und setzen einen farbenfrohen, essbaren Akzent auf Suppen, Desserts oder kalten Platten.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Namensherkunft und die Signatur des Geschmacks
Der botanische Gattungsname Geum leitet sich aller Wahrscheinlichkeit nach vom altgriechischen Wort „geuma“ ab, was schlicht „Geschmack“ bedeutet. Dies ist ein direkter Verweis auf das überaus aromatische, an Gewürznelken erinnernde Rhizom. Auch der deutsche Name „Nelkenwurz“ greift exakt diese Eigenschaft auf, denn mit den als Zierblumen bekannten Nelken (Caryophyllaceae) ist unsere Waldpflanze botanisch überhaupt nicht verwandt.
Klettenfrüchte: Ökologische Mitfahrer
Die Echte Nelkenwurz hat eine faszinierende Strategie zur Ausbreitung entwickelt: die sogenannte Epizoochorie (Tierstreuung). Die kleinen Nüsschen der Pflanze sind mit raffinierten, winzigen Widerhaken ausgestattet – dem verhärteten Rest des Blüten-Griffels. Streift im Spätsommer ein Fuchs, ein Reh oder ein argloser Spaziergänger durch den Waldrand, verhaken sich diese kleinen „Kletten“ blitzschnell im Fell oder in der Kleidung. Erst viele Kilometer weiter fallen sie ab und erobern so kontinuierlich neue, teils urbane Lebensräume für die Pflanze (daher auch das Artepitheton urbanum).
Geheimzutat in Klosterlikören
Die verdauungsfördernde Wirkung und der feine Duft des Rhizoms machten die Pflanze schon früh zu einer begehrten Zutat in den Klostergärten. So findet das Rhizom der Echten Nelkenwurz bis heute Verwendung in der Spirituosenherstellung und dient zur Aromatisierung von bekannten Magenbittern und Kräuterlikören wie dem französischen „Bénédictine“. Früher wurde sie zudem gelegentlich frisch ins Bierbraufass gegeben, um dem Gebräu eine längere Haltbarkeit und eine waldige Würze zu verleihen.
Videobeitrag zu „Echte Nelkenwurz“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für die Echte Nelkenwurz. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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