Gundermann/Gundelrebe – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Lange bevor der Hopfen zum Brauen von Bier standardisiert wurde, verlieh der Gundermann dem germanischen Gebräu seine bittere Würze und Haltbarkeit. Dieser aromatische Bodendecker aus der Familie der Lippenblütler ist ein echtes Frühlingskraut, das unsere Vorfahren wegen seiner enormen Wuchskraft schätzten. Heute ist die wintergrüne, heimische Wildpflanze vor allem in der Wildkräuterküche als intensives Würzkraut beliebt, übernimmt aber als zeitiger Nektarspender auch eine wichtige Rolle für die ersten Wildbienen des Jahres.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Gundermann“
- Botanischer Name: Glechoma hederacea
- Deutscher Name: Gundermann
- Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
- Gattung: Gundermann (Glechoma)
- Andere Namen: Gundelrebe, Erdefeu, Efeu-Gundermann
- Lebensdauer: mehrjährig (ausdauernd und wintergrün)
- Wuchsform: kriechend, teppichbildend; blühende Triebe aufsteigend
- Wuchshöhe: 10 bis 30 cm
- Wurzelwerk: Flachwurzler mit am Boden kriechenden, an den Knoten bewurzelten Ausläufern (Stolonen)
- Blütezeit: März bis Juni
- Blütenstand: meist 2 bis 5 Blüten scheinquirlig in den Blattachseln
- Fruchtreife: Juni bis August
- Boden/Standort: feuchte, nährstoffreiche, oft kalkhaltige Böden; Wiesen, Waldsäume, Hecken, Auengebüsche
- Hauptinhaltsstoffe: Ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Vitamin C, Kalium
- Giftigkeit: Für Menschen ungiftig. Für viele pflanzenfressende Säugetiere (insbesondere Pferde, Meerschweinchen) jedoch stark giftig.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Der Gundermann ist ein wuchsfreudiges, teppichbildendes Kraut, das sich besonders durch seine kreuzgegenständigen, nierenförmigen Blätter und den unverwechselbaren, harzig-minzigen Geruch leicht bestimmen lässt.
Vegetative Merkmale (Blätter & Stängel)
- Stängel: Eindeutig vierkantig (quadratischer Querschnitt). Die kriechenden Triebe können bis zu zwei Meter lang werden. Oft sind Stängel und Blattunterseiten rötlich bis purpurn überlaufen.
- Blätter: Kreuzgegenständig angeordnet, nieren- bis herzförmig mit einer stumpfen Spitze. Der Blattrand ist deutlich grob gekerbt.
- Geruch: Beim Zerreiben verströmen die Blätter sofort einen intensiven, herb-aromatischen Duft.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Blau-violette, zweiseitig symmetrische Lippenblüten (15 bis 22 mm lang). Die Unterlippe weist feine, dunklere purpurne Flecken auf.
- Fruchtverhalten: Die Frucht zerfällt zur Reife in vier eiförmige, kleine Teilfrüchte (Klausen). Diese tragen ein kleines, fettreiches Anhängsel (Elaiosom).
Verwechslungsgefahren:
- Rote Taubnessel (Lamium purpureum): Wächst an ähnlichen Standorten und hat ebenfalls vierkantige Stängel. Sie riecht beim Zerreiben jedoch unangenehm, wächst strikt aufrecht (bildet keine kriechenden Ranken) und ihre Blätter sind eher dreieckig bis herzförmig.
- Efeublättriger Ehrenpreis (Veronica hederifolia): Wächst ebenfalls kriechend am Boden. Unterscheidungsmerkmal: Der Ehrenpreis hat runde, deutlich behaarte Stängel und winzige, radsymmetrische hellblaue Blüten (keine Lippenblüten). Zudem fehlt ihm der typische Gundermann-Geruch völlig.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Glechomae herba (Gundelrebenkraut)
- Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Saponine
- Monographie-Status: Negativ bewertet (Nullmonographie der Kommission E); keine Bearbeitung durch das HMPC.
Für den Gundermann existiert in der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie keine gesicherte medizinische Anwendung, da aussagekräftige klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen.
In der Volksheilkunde blickt die Pflanze jedoch auf eine lange Tradition zurück. Bereits Hildegard von Bingen und Leonhart Fuchs empfahlen Extrakte der Pflanze. Traditionell wird ein Teeaufguss aus dem blühenden Kraut aufgrund der adstringierenden (zusammenziehenden) Gerbstoffe und schleimlösenden Saponine bei leichtem Husten, Atemwegskatarrhen sowie leichten Magen-Darm-Verstimmungen getrunken. Äußerlich nutzte man Abkochungen für Waschungen bei schlecht heilenden Wunden oder leichten Hautentzündungen. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) findet die Pflanze bei Entzündungsprozessen Erwähnung.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Der Gundermann ist kein klassisches Füllgemüse, sondern ein starkes Würzkraut. Sein Geschmack ist herb-aromatisch, leicht harzig und erinnert entfernt an eine Mischung aus Minze, Salbei und Rosmarin. Die Blüten sind milder und leicht süßlich.
- Blätter & Triebspitzen (Frühjahr bis Herbst): Junge, frische Blätter eignen sich fein gehackt hervorragend zum Würzen von Kräuterquark, Eiergerichten, Suppen oder Kräuterbutter. Er ist zudem ein klassischer Bestandteil der traditionellen Gründonnerstagssuppe (Neunkräutersuppe).
- Getränke: Die frischen Ranken geben Smoothies, Kräuterlimonaden oder Wildkräuterweinen ein spannendes Aroma. Früher wurde er auch zum Aromatisieren von Schnaps genutzt.
- Blüten (März bis Juni): Eine wunderschöne, essbare Dekoration für herzhafte Gerichte oder Desserts.
Für den Menschen ist Gundermann in kulinarischen Mengen völlig unbedenklich. Achte jedoch darauf, ihn wirklich nur als „Gewürz“ und nicht als Hauptbestandteil eines Salates zu nutzen, da die hochkonzentrierten ätherischen Öle in großen Mengen den Magen reizen können.
Achtung Haustierbesitzer: Für Pferde, Rinder, Schafe und viele Nager (z. B. Meerschweinchen) ist der Gundermann durch spezifische Stoffwechselvorgänge stark giftig! Er darf niemals verfüttert werden.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Gruitbier: Das Braugeheimnis vor dem Hopfen
Lange bevor sich der Hopfen als alleinige Würzzutat für Bier durchsetzte, brauten unsere Vorfahren im Mittelalter das sogenannte Gruitbier (Grutbier). Der Gundermann war, neben Gagelstrauch und Schafgarbe, eine der wichtigsten Zutaten für dieses Gebräu. Seine ausgeprägten Bitterstoffe und ätherischen Öle verliehen dem Bier nicht nur einen herben Geschmack, sondern sorgten vor allem durch ihre leicht antibakteriellen Eigenschaften für eine bessere Haltbarkeit des Suds. Diese historische Nutzung brachte ihm auch den volkstümlichen Beinamen „Soldatenpetersilie“ ein.
Ameisentaxis: Raffinierte Samenverbreitung
Wenn die unscheinbaren Teilfrüchte (Klausen) des Gundermanns im Sommer reif sind, bedient sich die Pflanze einer cleveren ökologischen Transportmethode, der sogenannten Myrmekochorie (Ameisenverbreitung). Die Samen besitzen einen kleinen, fett- und zuckerreichen Auswuchs (Elaiosom). Wald- und Wiesenameisen werden von dieser energiereichen Nährstoffquelle magisch angezogen. Sie schleppen den gesamten Samen in ihren Bau, verfüttern dort lediglich das Elaiosom an ihre Larven und tragen den unversehrten Samen anschließend wieder auf ihre „Müllhalden“ außerhalb des Baus – perfekte, nährstoffreiche Keimbedingungen für die nächste Gundermann-Generation.
Magie, Aberglaube und Frühlingskraft
Als Pflanze, die selbst unter dem Schnee grüne Blätter behält (wintergrün) und im Frühjahr mit unbändiger Wuchskraft über den Boden kriecht, galt der Gundermann den germanischen Völkern als Sinnbild für Lebenskraft und Erneuerung. Im Mittelalter wurde ihm eine starke Schutzwirkung zugeschrieben: Er sollte als Zauberpflanze vor der Pest, vor Hexen und bösen Geistern schützen. Oft wand man Kränze aus den langen Ranken oder hängte getrocknete Bündel in die Ställe, um das Vieh vor Krankheiten zu bewahren.
Videobeitrag zu „Gundermann“
Weitere Bestimmungsvideos für den Gundermann (aka Gundlrebe) findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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